Über die Ziele des Ordens der Ritter Unserer Lieben Frau. Regel des Ordens der Ritter Unserer Lieben Frau, Kapitel I

1       Der Orden der Ritter Unserer Lieben Frau wurde gegen Ende des zweiten Weltkrieges unweit der Stelle gegründet, wo die heilige Johanna, die Jungfrau von Orléans, auf dem Scheiterhaufen ihr Leben aushauchte. Durch benediktinische Weisheit im Schatten der altehrwürdigen Abtei von Fontenelle gestärkt und verwurzelt im mütterlichen Boden der Krypta “von der Jungfrau, die gebären wird”, unter der berühmten Basilika und Kathedrale Unserer Lieben Frau von Chartres/Frankreich, setzt der Orden der Ritter Unserer Lieben Frau die lange und ruhmreiche Tradition christlichen Rittertums – und jener Ritter-Orden fort, die geschaffen wurden, um “hinieden die Grenzen des Gottesreiches zu erweitern”8.

2       Regelgebunden und kämpferisch will er mit Hilfe der göttlichen Gnaden eine Pflegestätte der Ehre – und eine Schule des Heldentums im Dienste der höchsten Güter der Menschheit sein”25. Er sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit – und ist überzeugt, dass alles übrige, das heißt, Friede auf Erden und alle aus ihm fließenden Güter dreingegeben wird26.
Inmitten eines ununterbrochenen Kampfes gegen den Fürsten dieser Welt erwartet der Orden in fester Zuversicht die Wiederkunft des Christkönigs, das Kommen des Reiches Gottes und des ewigen Friedens, nach den Worten des Apostels: “Unsere Heimat aber ist im Himmel, von wo wir auch den Heiland erwarten, den Herrn Jesus Christus”27.
Der Orden der Ritter Unserer Lieben Frau verfolgt als wesentliches Ziel die Förderung der Ehre Gottes durch die weltweite Herrschaft seines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus. Zur Teilnahme an diesem Königtum, der alleinigen Quelle alles Segens für die gesamte Schöpfung, hat der Herr seine allerheiligste Mutter, die unbefleckte Jungfrau Maria bestimmt, die zugleich Mutter der Kirche und aller Gläubigen ist. Die heilige Gottesmutter wurde auf Grund ihrer glorreichen Himmelfahrt durch die göttliche Gnade Königin des Himmels und der Erde28, so wie Jesus deren König ist durch seine menschliche und göttliche Natur, zufolge seiner Auferstehung von den Toten29.

3       Deshalb erkennen die Ritter die heiligste Jungfrau Maria als ihre Königin und Herrin – und als Gebieterin ihres Ordens an. Sie verpflichten sich ihr durch das Band der unbedingten Hingabe, der Huldigung und des Ritterschlages, indem sie Maria“stets vor Augen haben als leuchtendes Vorbild und mächtige Helferin”30
Die Ritter stellen sich auch unter den Schutz des glorreichen Erzengels Michael, des Fürsten der himmlischen Heerscharen und Besiegers Satans, sie wiederholen seinen Ruf der Treue und Liebe, der zugleich ein Kampf- und Siegesruf ist: “Wer ist wie Gott?” Ihn verehren sie und erkennen ihn als den Hochmeister ihres Ordens an.

4       Der Orden verfolgt drei Ziele zur Förderung der Ehre Gottes:

I. Der Orden dient dem katholischen und apostolischen Glauben der römischen Kirche nicht nur, indem er diesen vor den Menschen “in seiner Unverletzlichkeit, seiner Reinheit, seiner Kraft”31 bekennt, sondern auch, indem er zu seiner Verbreitung beiträgt, ihn schützt, ihn stärkt – und ihn in alle Bereiche des menschlichen Lebens ausstrahlen lässt. Er will in den Grenzen seiner Möglichkeiten helfen, dass alle Christen, dem ausdrücklichen Willen des Heilandes entsprechend, in der einen Herde Christi vereinigt werden, um so die Bedingungen für ein Zeitalter der Einheit und des Friedens zu schaffen32.

II. Der Orden verteidigt die heilige katholische Kirche unerschrocken, – auf welchem Gebiet sie auch angegriffen wird, durch Gebet und Taten gegen alle Parteien, Bewegungen, Sekten, Irrlehren und Irrtümer, die vom Heiligen Vater verurteilt werden. Der Orden liebt und verteidigt die Kirche, die reine Braut Christi, nicht nur in ihren Mysterien, sondern auch in ihren irdischen Formen trotz aller Schwächen und Fehler ihrer Mitglieder. Er liebt und verteidigt sie in ihrem unversehrten Glauben und in ihren Institutionen. Er liebt und verteidigt sie in ihrer Vergangenheit und Gegenwart – und wird sie auch in Zukunft mit der Gnade Gottes verteidigen. Der Orden kämpft mit größter Entschiedenheit und Härte, dennoch mit Nachsicht und Liebe gegen Personen und Unternehmungen innerhalb der Kirche, welche versuchen, den wahren Glauben durch eine Vergötzung des Menschen zu ersetzen, – und die es wagen, nicht nur die Überlieferung und kirchliche Disziplin anzugreifen, sondern auch die Reinheit des Kultes, die christlichen Sitten und die Unantastbarkeit der Dogmen. Er verteidigt die Kirche mit größter Energie gegen alle diejenigen, welche unter dem Mantel der Reform versuchen, sie zu zersetzen32/33.

III. Der Orden arbeitet für die Förderung des Christentums und des Friedens. Er steht im Dienste des Volkes Gottes, insbesondere der Schwachen und Unterdrückten! Er bekämpft Ideen, welche die Würde und Freiheit des nach dem Ebenbild Gottes geschaffenen Menschen beeinträchtigen – und wendet sich mit allen angepassten Mitteln gegen alle totalitären Versuche, die geheim oder öffentlich die Welt unterjochen wollen, sowie gegen alle diejenigen, welche bewusst oder unbewusst solche Versuche unterstützen33.
Der Orden setzt sich für die Errichtung einer irdischen Gesellschaftsordnung ein, die auf den Prinzipien der Naturordnung und den Forderungen des Evangeliums, im Hinblick auf die unerlässliche Freiheit des Menschen und der menschlichen Gemeinschaften aufgebaut ist34 und im Einklang steht mit der Soziallehre der Kirche.
Er bemüht sich, die Bedingungen zu schaffen, unter denen die Führer der Nationen den Christkönig öffentlich verehren, die Lehrer und Richter ihn achten, die Gesetze und Künste ihn zum Ausdruck bringen35. Denn “dreimal selig wird das Reich gepriesen, das mit allen angepassten Mitteln von Christus unumschränkt regiert wird, das die Befolgung der von Gott gegebenen Gesetze überwacht”36.
Der Orden schärft seinen Mitgliedern die Liebe zu ihrem irdischen Vaterland und die Achtung vor den überkommenen und berechtigten Sitten und Gebräuchen ein. Er dient der Christenheit, das heißt der brüderlichen Gemeinschaft der Völker, die durch Christi Blut erlöst – und von der Vorsehung berufen wurden, die verschiedenen menschlichen Zivilisationen in der christlichen Kultur aufzunehmen und zu erheben37. Deshalb bekennt der Orden öffentlich, dass die Treue zum Erbe christlicher Kultur, seine unerschrockene Verteidigung gegen alle atheistischen oder antichristlichen Strömungen der Eckpfeiler ist, der keinem vorübergehenden Vorteil – und keiner wechselhaften Tagesmeinung geopfert werden darf38.
Der Friede Christi, oder die Ruhe der christlichen Ordnung39, die allein wahr, gerecht und dauerhaft sein kann, stellt das edelste Ziel dar, das die mit dem schönen und ehrenvollen Titel “Friedensmacher” benannten Ritter stetig vor Augen haben, nach dem Wort der Heiligen Schrift: “Suche Frieden und strebe ihm nach40. Jedes Streben nach einer vollkommeneren Verwirklichung der christlichen Ordnung und des Friedens erleichtern der Kirche die Ausübung ihrer göttlichen Sendung, – öffnet weit die Tore des Heiles allen Armen und Demütigen –  und beschleunigt das Kommen des Tages, an dem der Herr Jesus mit seinen Engeln wiederkommen wird41 in sein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens42.

5       Jede auf diese drei Ziele orientierte Tätigkeit darf sowohl vom Orden selbst als auch von den einzelnen seiner Mitglieder mit Genehmigung der Ordensleitung ausgeübt werden. Es sind dies u. a. sozial-karitative Werke, Jugenderziehung, Kampf gegen moralische Zersetzung, Verteidigung der Völker gegen alle subversiven Ideologien, Hilfe für unterentwickelte Länder – und Länder, die von totalitären Staatssystemen beherrscht werden, kulturelle Beziehungen unter den Völkern, die Verbreitung ritterlichen Geistes in den Armeen, – das Studium internationaler Probleme und ähnliches.

6       Der Kampf des Ordens, der seine Existenz als Ritterorden rechtfertigt, ist ein Kampf im wahren Sinne des Wortes. In der Tat trägt der Ansturm der höllischen Mächte gegen die Christenheit vorwiegend ideologische Merkmale, denen man nur mit geistigen und doktrinären Waffen begegnen kann, verbunden mit der festen Entschlossenheit, die höchsten Güter christlicher Kultur bis zum Tode zu verteidigen. Die Kampfmächte beschränken sich nicht mehr auf das Schlachtfeld allein. “Das Ziel dieses Krieges ist die Bevölkerung selbst.” Folglich muss vor allem diese von einer Elitetruppe umgeben und beschützt werden, deren geistiger, moralischer, verstandesmäßiger, – einfach menschlicher Wert offenkundig ist. Der Orden will nach Maßgabe seiner Mittel dazu beitragen, diese Elitetruppe zu schaffen43.

7       Der Orden bekennt, dass er keiner Staats-Souveränität, keiner Staatengruppe, keinen subversiven Organisationen oder internationalen Mächten, auch keiner besonderen Rasse ausschließlich zu Diensten ist. Er dient vielmehr allen Menschen in ihren naturgegebenen Gemeinschaften. Er dient keinen politischen oder dynastischen Zielen, noch irgendwelchen wirtschaftlichen oder Klasseninteressen, noch rein weltlichen Dingen. Der Orden dient allein der Christenheit!44a Er ist universal wie die Christenheit selbst!

8       Der Orden, der von Laien geführt wird – und, erleuchtet vom lebendigen Lehramt der Kirche, diesem stets treu ergeben bleibt, – ist sich der Sendung der katholischen Laien, wie sie vom 2. Vatikanischen Konzil festgelegt wurde, voll bewusst44b. Er selbst setzt die Ziele und die Handlungsweise in diesem irdischen Reich fest, ohne dass seine Unternehmungen die Verantwortung des Heiligen Stuhles oder die Hierarchie der Kirche kompromittieren.

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8 Léon Gautier, Das Rittertum, Schlusswort.
25 Grundsätze für eine Charta des Rittertums, Art. 2a.
26 Luk. 12, 31.
27 Phil. 3, 20.
28 Hl. L.-M. Grignion von Montfort, Abhandlg. 38.
29 Vgl. Röm. 1, 4.
30 Hl. L.-M. Grignion, 46.
31 Pius XII. am 2. 3. 1947.
32 Grundsätze für eine Charta, Art. 5 (vgl. Vatikanum II, Dekret über den Ökumenismus, 4). Vatikanum II, Laienapostolat, 6.
33 Grundsätze für eine Charta, Art. 25a und 7c.
34 Ebd. Art. 1 – Vat. II, Laienapostolat, 5.
35 Liturgie des Christkönigsfestes, Vesperhymnus.
36 Ebd., Laudes.
37 Grundsätze für eine Charta, Art. 4a.
38 Pius XII., 1. 9. 1944.
39 Vgl. St. Augustinus.
40 Ps. 33, 15.
41 Luk. 9, 26.
42 Präfation am Christkönigsfest.
43 Grundsätze für eine Charta, Art. 76.
44a Ebd. Art. 4b.
44b Vat. II, Laienapostolat, 7.

Für den französischen Originaltext:

Imprimatur:
Carnuti, 16 decembris 1969
+ Roger Michon, Ep. Carnutensis

Für die Übersetzung des deutschen Textes:

Nihil obstat:
Saint-Wandrille, le 15 Août 1972
Dom Maltier OSB
Dom Lafond OSB (Ordensgründer)

IMPRIMI potest:
Regensburg, den 11. Februar 1973
Dr. Rudolf Graber, Bischof von Regensburg

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→ Regel des Ordens der Ritter Unserer Lieben Frau. Inhaltsverzeichnis

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4 Responses to Über die Ziele des Ordens der Ritter Unserer Lieben Frau. Regel des Ordens der Ritter Unserer Lieben Frau, Kapitel I

  1. […] Über die Ziele des Ordens der Ritter Unserer Lieben Frau. Regel des Ordens der Ritter Unserer Liebe… […]

  2. […] III. Der Orden arbeitet für die Förderung des Christentums und des Friedens. Er steht im Dienste der Volkes Gottes, insbesondere der Schwachen und Unterdrückten! Er bekämpft Ideen, welche die Würde und Freiheit des nach dem Ebenbild Gottes geschaffenen Menschen beeinträchtigen – und wendet sich mit allen angepaßten Mitteln gegen alle totalitären Versuche, die geheim oder öffentlich die Welt unterjochen wollen, sowie gegen alle diejenigen, welche bewußt oder unbewußt solche Versuche unterstützen33. (Aus: Regel des Ordens der Ritter Unserer Lieben Frau, Kap. I) […]

  3. […] Über die Ziele des Ordens der Ritter Unserer Lieben Frau. Regel des Ordens der Ritter Unserer Liebe… […]

  4. […] “Der Orden [der Ritter Unserer Lieben Frau] schärft seinen Mitgliedern die Liebe zu ihrem irdischen Vaterland und die Achtung vor den überkommenen und berechtigten Sitten und Gebräuchen ein. Er dient der Christenheit, das heißt der brüderlichen Gemeinschaft der Völker, die durch Christi Blut erlöst – und von der Vorsehung berufen wurden, die verschiedenen menschlichen Zivilisationen in der christlichen Kultur aufzunehmen und zu erheben. Deshalb bekennt der Orden öffentlich, dass die Treue zum Erbe christlicher Kultur, seine unerschrockene Verteidigung gegen alle atheistischen oder antichristlichen Strömungen der Eckpfeiler ist, der keinem vorübergehenden Vorteil – und keiner wechselhaften Tagesmeinung geopfert werden darf.” (Regel des Ordens der Ritter Unserer Lieben Frau, I, 4) […]

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